Ausgerechnet eine unbedeutende Suchmaschine vorstellen - und das im Google-Zeitalter? «Was, es gibt nebst Google noch weitere Suchmöglichkeiten?» Trotz Google-Dominanz gibt es beinahe unbekannte, aber gute Suchmaschinen mit sonst kaum vorhandenen, nützlichen Optionen. Der lange Text versucht nicht zuletzt, ein paar Hintergründe zu beleuchten.

searx ist eine Metasuchmaschine, und nur eine von vielen. Wie GoogleWatchBlog indirekt erwähnt, teilen sich diese ungefähr 10 % des Weltmarkt-Anteils, den Google nicht besetzt. Zwar dürfte Google in verschiedener Hinsicht unübertroffen gut sein, wenn man gewisse Aspekte ausblendet. Hier setzen Metasuchmaschinen wie searx an: sie suchen mit mehreren Quellen-Suchmaschinen, oft auch Google, und liefern die Ergebnisse zurück, idealerwesise mit besserer Suchneutralität, mit dezenterer oder ohne Werbung, ohne dass (wie bei Google) ein Profil angelegt wird und es werden keine Daten an Dritte weitergeleitet.

Warum searx …

… wenn es doch viele andere kleine Suchmaschinen gibt? Nicht einfach zu beantworten, ausser dass

  • selbst Fachmagazine oft nicht über DuckDuckGo (wieso eigentlich?) oder Bing hi­n­aus­den­ken, wenn es um Vergleiche geht;
  • einige die nützlichen Optionen (siehe unten) und ausgerechnet die fehlende Personalisierung schätzen lernen könnten;
  • keine Profile angelegt werden, dass Daten nicht an Dritte weitergegeben werden und dass es kein Tracking gibt;
  • searx dank einer freien Software-Lizenz (FOSS) sogar selber installiert und studiert werden könnte, beispielsweise auf dem eigenen Raspberry Pi, oder dass die Versprechen im Prinzip überprüft werden könnten. Hingegen wären andere öffentliche Instanzen, die ja jeder betreiben kann, zurückhaltend zu geniessen (etwa auch searx.ch), eher direkt searx.me bevorzugen (und bei Gefallen vielleicht ein paar Franken spenden?).

Die Anfänge von searx reichen gemäss Changelog auf 2014 zurück. Sie ist inzwischen die voreingestellte Suchmaschine beim empfehlenswerten Privacy Browser für Android (erhältlich auch in App-Stores wie F-Droid, Google Play u. a.).

Warum eine Metasuchmaschine statt direkt suchen?

Metasuchmaschinen beziehen ihre Ergebnisse oft von Google oder Bing, von Enzyklopädien, Bibliotheken, Landkarten oder wissenschaftlichen Verzeichnissen, wie der Abschnitt weiter unten erläutert. Wieso sollte ich nicht direkt dort suchen?

Die Metasuchmaschinen sollten theoretisch ähnlich gute Ergebnisse wie Google oder eben die verschiedenen, (bei searx wählbaren) Quellen bieten. Sie können subjektiv schlechter oder besser sein, etwa je nach­dem, ob die automatische (oder quasi aufgezwungene) Personalisierung und Spezifizierung gewünscht ist oder nicht. Will man bei Google weltweit suchen, nicht mit länder- oder gar personenbezogener Spe­zi­fi­ka oder mit Bias, muss man wissen wie und sich bemühen. Bei searx ist es eher umgekehrt: man wählt insbesondere die Suchsprache und weitere Einstellungen. Eine länderspezifische Suche scheint es bei searx nicht zu geben, ausser indirekt, indem man etwa die Quellen-Suchmaschine Swisscows einbezieht.

Die Antworten auf die Frage, “warum soll ich nicht direkt suchen?”, können zusammenfassend sein: Die Suchergebnsisse sind manchmal sogar besser als bei der Quelle (aber eventuell unspezifischer), es kann praktischer sein und es gibt kein Tracking und damit womöglich mehr Suchneutralität und weniger Beeinflussung der Ergebnisse, inklusive Bestätigungsfehler und andere Bias.

Nen­nens­werte Eigenschaften von searx

  • searx lässt sich wie die meisten Suchmaschinen zum Firefox-Browser hinzufügen, damit sich direkt von der Adressleiste oder Suchleiste aus suchen lässt. Das kann man mit Klick auf “Install searx as a search engine …” bewerkstelligen.
  • Auch andere Suchmaschinen haben erweiterte Such-Einstellungen, aber searx dürfte Personen ansprechen, die übersichtlich angeordnete, nützliche Optionen (womöglich für dieselbe Suche) schätzen und die Suche so ein bisschen mehr selber statt fremdbestimmt (Personalisierung & Co.) beeinflussen wollen. Beispiele:
    • Die zu verwendenden Quellen (Quellen-Suchmaschinen) könnnen in den Einstellungen/preferences ausgewählt werden. Gegenwärtig sind es ungefähr 140, ein Teil davon ist voreingestellt, darunter nebst Google natürlich auch Wikipedia und Wikidata. Interessant könnte aber auch Duden, F-Droid, die Schattenbibliothek Library Genesis LibGen, archive.is oder sogar Swisscows sein. Je nach Bedarf sind speziellere Quellen in den Kategorien IT, Karte wie OpenStreetMap, Wissenschaft und natürlich Musik, Videos, Dateien, Bilder von Interesse.
    • Die Suche erfolgt also gleichzeitig über searx, ohne die Quellen je direkt aufsuchen zu müssen.
    • Die Ergebnisse sind mit der/den Quelle/n wie wikidata, bing, google gekennzeichnet. Das kann interessant sein, aber scheinen nur wenige Metasuchmaschine wie etwa MetaGer zu bieten.
    • Die Ergebnisse können auch “im Cache” angeschaut werden: Der Klick verweist direkt auf die Wayback Machine archive.org.
    • Die Ergebnsise können u. a. als universell verwendbares CSV heruntergeladen werden, um sie beispielsweise mit der Tabellenkalulation Calc oder Excel weiter zu bearbeiten.
    • Recht weit gehen die Einstellungen wie “HTTPS rewrite, wandelt wenn möglich HTTP Links in HTTPS Links um” oder “Tracker-URL-Entferner” oder etwa auch “Open Access DOI rewrite
    • searx ist ohne JavaScript - also mit einem Add-on wie NoScript - bedienbar und sogar ein Klick auf “Erweiterte Einstellungen” bei der Suchmaske öffnet diese mit CSS - heute beinahe besonders lobend erwähnenswert.